Pavle Banović
M is for Merlinka, 2025
Im Mittelpunkt des Projekts steht Vjeran Merlinka, eine bedeutende Kulturschaffende und die erste Person, die sich im ehemaligen Jugoslawien öffentlich als Transperson outete. Sie lebte in Belgrad und arbeitete im Planetarium in Kalemegdan, wo viele ihrer Arbeiten entstanden. Merlinka bezog ihr persönliches Umfeld in ihre Kunst ein, die sie als »Beton Nest« bezeichnete. Neben ihrer Tätigkeit als Sexarbeiterin schrieb sie zwei Bücher und arbeitete als Schauspielerin. Ab den 1990er Jahren geriet queeres Leben im ehemaligen Jugoslawien aufgrund der erstarkenden nationalistischen Bewegung in Bedrängnis. Das führte 2003 zur Ermordung von Merlinka. Sie fiel einem Verbrechen zum Opfer, das nie strafrechtlich verfolgt wurde. Ihr künstlerischer Nachlass blieb unbeachtet, bis 2024 mit dem Abriss ihres Wohnhauses begonnen wurde. Marija Iva Gocić, Leah Rivka Lapiower, Sara Pantović, Chloé Sassi und mir gelang es jedoch, wichtige Artefakte zu bewahren.
»M steht für Merlinka« vereint Dokumentar- und Archivfotos, die ich während der Erkundung von Merlinkas Anwesen aufgenommen habe, sowie einem Editorial-Fotoshooting, das mit Ilija Nestorović, Otis Vogl-Ferheim und Tanasije entstanden ist Das Projekt hat das Ziel, Merlinkas Geschichte und Bedeutung für die zeitgenössische Queer-Kultur zu würdigen.
Biografie
Pavle Banović, *1998 in Belgrad (RS); lebt und arbeitet in Wien (AT). Ausstellungen unter anderem in Belgrad, Ljubljana, New York, Wien und Novi Sad und Zusammenarbeit mit dortigen Institutionen. Banović wurde mit demYVAA-Preis für Serbien 2023 ausgezeichnet und nahm 2024 auf Nominierung von Organ Vida am »Futures Photography Programme« 2024 teil. Mitglied des jungen Künstlerkollektivs »The Applause Institute« sowie des Projekts »D.U.O – Society of Joint Responsibility«. »M is for Merlinka« wurde von der Studentenvereinigung der Universität für angewandte Kunst Wien unterstützt.