Jana Islinger
Unter demselben Himmel, 2025
Das Ruhrgebiet gilt als eine »zusammengewachsene Region«. Doch nicht alle wachsen unter denselben Bedingungen auf: Chancen, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe sind ungleich verteilt. Das bleibt oft unsichtbar, ist aber im Alltag spürbar. Dieses vielfach beschriebene »Nord-Süd-Gefälle« steht dabei nicht für eine feste geografische Trennlinie, sondern für sozialräumliche Ungleichheiten, die Lebenswege und Zukunftschancen beeinflussen. Durch das Dokumentieren von Alltagssituationen richtet die Arbeit den Fokus darauf, wie soziale Strukturen und widersprüchliche Narrative der Region das Aufwachsen junger Frauen prägen. Die weibliche Perspektive eröffnet hierbei einen Blick jenseits der vertrauten Bilder von Kohle, Stahl und männlich geprägter Industriearbeit, die das Ruhrgebiet historisch dominieren. Indem Islinger ihre Beobachtungen mit den Erinnerungen ihrer Mutter verknüpft, die selbst im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, stellt das Projekt die Frage nach der Beständigkeit solcher Unterschiede und danach, wie sie Lebenswege über Generationen hinweg prägen.
Biografie
Jana Islinger, *1999 in München (DE); lebt und arbeitet ebenda. Islinger studierte Fotografie an der Hochschule München sowie an der Ostkreuzschule in Berlin und wird von der Agentur laif vertreten. Mit journalistischem Ansatz realisiert sie Langzeitprojekte zu gesellschaftlichen Themen, mit besonderem Fokus auf Identität, Zugehörigkeit und Machtstrukturen. Ihre Arbeiten wurden unter anderem mit dem Nikon Fotobus Grant ausgezeichnet und auf dem Fotofestival Les Rencontres d’Arles ausgestellt.