Alexander Henting
Damit ich nicht verloren gehe, 2026
Das Miteinander in meiner Familie ist geprägt vom Schweigen über die Vorfälle und das Leid im Nationalsozialismus. Meine Urgroßmutter und Großmutter sind die einzigen ihres Familienzweiges, die die Deportationen in Konzentrationslager überlebten. Diese Leerstellen in der Familiengeschichte haben sich in unsere Beziehungen integriert und werden weitergetragen – gesprochen wird über sie jedoch nie.
Das Projekt verstehe ich als Recherche der Lücken in der Geschichte meiner Familie. Dabei beanspruche ich keine Vollständigkeit der Erzählung, ich sammle vielmehr ein bewegliches Konvolut vieler Ausgangspunkte. Meine Arbeit umkreist das Unausgesprochene und spürt damit dem Verblassenden und Verschwommenen nach.
Der künstlerische Prozess ist hier ein Akt, der sich dem Realen annähert, dessen wahre Begegnung aber immer verpasst; wissend, dass Worte nie genügen, oder vielmehr, dass die Worte selbst der Grund für die Unfassbarkeit des Realen sind. Jeder Aspekt der Arbeit thematisiert das Scheitern an der Grenze des Erfahrbaren.
Biografie
Alexander Henting, *1991 in Essen (DE); lebt und arbeitet in Wien (AT). Henting beendet 2026 das Studium der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste Essen. In seiner künstlerischen Arbeit widmet er sich dem Thema fehlender historischer Aufarbeitung, speziell im familiären Kontext.